Gegen Relay-Attacken schützt dich am zuverlässigsten, den Keyless-Funk des Schlüssels abzuschirmen oder ihn abzuschalten: Laut ADAC sind nach zehn Jahren Untersuchung von rund 850 Fahrzeugen etwa 30 Prozent weiterhin verbesserungsbedürftig. Eine geprüfte Schutzhülle oder ein Metallbehältnis, das du selbst auf Funktion kontrollierst, kostet wenig Aufwand. Eine sichtbare Lenkradkralle ergänzt das als mechanische Hürde, ersetzt den Funkschutz aber nicht.
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Was ist eine Relay-Attacke bei Keyless Go?
Bei Keyless Go sendet dein Schlüssel ein Funksignal, sobald er sich in der Nähe des Fahrzeugs befindet. Das Auto öffnet und startet, ohne dass du den Schlüssel in die Hand nehmen musst. Genau dieser Komfort ist die Angriffsfläche: Diebe müssen weder Türschloss noch Fahrzeugelektronik knacken, sondern nur das Funksignal verlängern.
Beim Relay-Angriff (auch Funkverlängerung genannt) arbeiten zwei Täter mit zwei kleinen Geräten. Einer hält ein Gerät in die Nähe deines Schlüssels, zum Beispiel an die Außenwand oder Haustür. Der andere steht mit dem zweiten Gerät am Auto. Laut ADAC vergrößern die Geräte die Reichweite des Schlüsselsignals auf mehrere hundert Meter. Das Fahrzeug glaubt dann, der Schlüssel läge direkt daneben, und lässt sich innerhalb von Sekunden öffnen und starten.
Wichtig für den Alltag: Auch wenn der Schlüssel im Haus liegt, bleibt die Schwäche bestehen. Läuft der Motor erst einmal, kann das Auto laut ADAC weiterfahren, solange Kraftstoff oder Batterieladung reichen, auch wenn der Schlüssel längst nicht mehr in Reichweite ist. Außerdem bleiben bei dieser Methode oft keine Einbruchspuren zurück. Das kann bei der Schadenregulierung für Rückfragen sorgen.
Wie groß ist das Problem laut ADAC?
Der ADAC untersucht Keyless-Systeme seit rund zehn Jahren und hat nach eigener Angabe 850 Fahrzeuge geprüft. Das Ergebnis fällt gemischt aus: Etwa 70 Prozent der untersuchten Autos sind inzwischen besser geschützt, rund 30 Prozent haben weiterhin Nachholbedarf. Bei mehreren Marken fand der ADAC kein einziges Modell mit wirksamem Schutz, darunter laut Untersuchung Fiat, Honda, Jeep, MG, Opel, Subaru und Tesla.
Auch Motorräder sind betroffen. Der ADAC nennt vier untersuchte Modelle verschiedener Hersteller, die sich allesamt mit den Funkverlängerern öffnen und starten ließen. Wenn du Motorrad fährst, lies zusätzlich unseren Beitrag zu Zubehör für Motorradtouren.
Welche Technik schützt ab Werk?
Wirksamer Schutz ab Werk ist laut ADAC die Ultrabreitband-Technik (UWB). Sie misst die Entfernung des Schlüssels so genau, dass Relay-Geräte nicht mehr funktionieren. Nach der Untersuchung setzen unter anderem Hersteller wie BMW, Hyundai, Kia, Mercedes, Suzuki und der Volkswagen-Konzern bei einzelnen Modellen darauf. Bewegungssensoren im Schlüssel sind dagegen nur eine Teillösung: Solange das Signal nach dem Ablegen noch eine Weile aktiv bleibt, ist ein Diebstahl weiterhin möglich. Der ADAC fordert eine Abschaltung nach spätestens fünf Minuten Ruhe.
Ob dein Modell UWB nutzt, steht meist nicht im Prospekt. Frag beim Händler nach oder sieh in die Modellliste des ADAC. Vor dem nächsten Autokauf lohnt sich diese Frage.
Welche Schutzmaßnahmen helfen wirklich?
Kein Schutz ist perfekt, aber mehrere Schichten erschweren den Diebstahl deutlich. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Maßnahmen ein.
| Maßnahme | Wirkprinzip | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Schutzhülle / Signalblocker-Box | Schirmt das Funksignal des Schlüssels ab | Schnell, günstig, ohne Eingriff ins Auto | Wirkt nur, wenn wirklich alle Signale blockiert werden; Nutzung muss zur Gewohnheit werden |
| Keyless-Funktion abschalten | Deaktiviert die Funkabfrage (laut Handbuch) | Unterbindet diese Diebstahlart in der Regel | Du verlierst den Komfort; nicht bei jedem Modell möglich |
| Garage, Schlüsselablage fern von Außenwand | Vergrößert den Abstand zu den Angreifern | Kostet nichts | Schützt nicht unterwegs, etwa auf dem Parkplatz |
| Lenkradkralle | Blockiert mechanisch das Lenkrad | Sichtbare Abschreckung | Verhindert nicht das Öffnen oder Starten, nur das Wegfahren |
| Nachrüst-Elektronik | Zusatzschaltung im Fahrzeug | Je nach Lösung wirksam | Laut ADAC oft umgehbar, teils teuer oder mit Eingriff in die Wegfahrsperre |
Schutzhülle: so prüfst du sie richtig
Der ADAC nennt als Abschirmung Metalldosen, Abschirmbeutel, Töpfe oder Alufolie, warnt aber: Sie funktionieren nur, wenn sie alle Signale zuverlässig blockieren. Deshalb gilt dein eigener Funktionsprüfung. Lege den Schlüssel in die Hülle, geh mit der Hülle direkt an die Fahrertür und prüfe, ob sich das Auto öffnen lässt. Öffnet es sich nicht, ist die Abschirmung dicht. Wiederhole den Check gelegentlich, denn Material kann nachlassen.

Die EXEEP Keyless-Schutzhülle ist laut Hersteller ein Lederetui mit Signalblockierung, das für Schlüssel bis 80 x 40 x 17 mm ausgelegt ist.
Der Hersteller gibt an, das Etui sei von einer Prüfstelle zertifiziert worden. Das ist eine Herstellerangabe, die wir nicht überprüfen konnten. Verlass dich deshalb nicht darauf, sondern mach den Türprobe mit deinem eigenen Schlüssel. Prüfe vorher auch, ob dein Schlüssel in die angegebenen Maße passt.
Keyless deaktivieren: der günstigste Schutz
Viele Fahrzeuge lassen sich so einstellen, dass der Schlüssel erst nach Tastendruck aktiv wird oder die Funkabfrage ganz ausgeschaltet ist. Schau ins Handbuch oder frag die Werkstatt. Nach ADAC-Einschätzung unterbindet das diese Diebstahlmethode meist, kostet aber Komfort. Für lange Parkphasen, etwa über Nacht oder im Urlaub, ist das oft ein guter Kompromiss.
Lenkradkralle: mechanische Zusatzhürde
Eine Lenkradkralle ersetzt keinen Funkschutz, denn Diebe können mit Relay-Geräten Tür und Zündung überwinden. Sie macht aber das Wegfahren schwerer und wirkt durch ihre auffällige Farbe abschreckend. In der Untersuchung des ADAC zu Keyless-Systemen kommt sie nicht als Schutzmaßnahme vor; wir ordnen sie daher als ergänzende Maßnahme ein.

Die ARTAGO 870 ist laut Hersteller eine Lenkradkralle mit optionalem Alarm von 120 dB und LED, die um eine Lenkradspeiche gesetzt wird.
Laut Hersteller verriegelt sie sich per Press-and-Click-System ohne Schlüssel, die Gelenkarme sind gummiert, um das Lenkrad zu schonen. Der Alarm lässt sich zuschalten. Beachte, dass das alles Herstellerangaben sind. Ein Alarm kann Täter irritieren, bleibt aber eine Zusatzmaßnahme.
Entscheidungshilfe „Was passt zu mir?“
Die richtige Kombination hängt davon ab, wo und wie lange dein Auto steht. Die folgende Tabelle hilft bei der Entscheidung.
| Dein Alltag | Empfohlene Basis | Sinnvolle Ergänzung |
|---|---|---|
| Auto steht nachts auf der Straße | Schlüssel in geprüfter Schutzhülle, fern von der Haustür | Lenkradkralle, Dashcam mit Parküberwachung |
| Auto steht in der Garage | Schlüssel in der Hülle ablegen | GPS-Ortung, siehe GPS-Tracker fürs Auto |
| Du parkst oft an belebten Orten (Parkhaus, Restaurant) | Hülle auch unterwegs nutzen | Keyless-Funktion abschalten, wenn möglich |
| Du kaufst demnächst ein Auto | Nach UWB-Schutz fragen | ADAC-Modellliste prüfen |
Typische Fehler, die Diebe ausnutzen
- Der Schlüssel liegt direkt hinter der Haustür oder am Fenster, statt weit weg von Außenwänden.
- Die Schutzhülle wird gekauft, aber nie getestet.
- Der Zweitschlüssel liegt offen herum und bleibt in Funkreichweite.
- Günstige Nachrüst-Sets greifen in die Wegfahrsperre ein; der ADAC rät davon ab, weil dadurch der Versicherungsschutz gefährdet sein kann.
Auch der Ersatzschlüssel sendet. Bewahre ihn ebenfalls in einer geprüften Hülle oder einem dichten Metallbehältnis auf, zum Beispiel in einer Schublade ohne Nähe zu Fenstern oder Außenwänden.
Was tun, wenn das Auto trotzdem weg ist?
Ohne Einbruchspuren fragen Versicherungen häufig genauer nach. Melde den Diebstahl sofort der Polizei, dokumentiere, wo der Schlüssel lag, und halte Kaufbelege für Schutzprodukte bereit. Ein GPS-Sender kann die Ortung erleichtern; wie das funktioniert, liest du in unserem Beitrag zum GPS-Tracker im Auto. Auch eine Dashcam mit Parkmodus kann Hinweise liefern, siehe unseren Dashcam-Vergleich. Wenn dein Fahrzeug im Parkmodus aufnimmt, beachte die Datenschutzregeln im Ratgeber Dashcam erlaubt?.
Dieser Beitrag informiert allgemein. Bei Fragen zu Versicherungsschutz oder Schadenregulierung wende dich an deine Versicherung oder eine Rechtsberatung.
Fazit
Der wirksamste Schutz gegen die Relay-Attacke ist der Funk selbst: Schlüssel abschirmen, wo es geht, und die Keyless-Funktion abschalten, wenn dein Modell das erlaubt. Eine Lenkradkralle bleibt eine gute mechanische Ergänzung. Beim nächsten Autokauf lohnt es sich, gezielt nach UWB-basiertem Schutz zu fragen.
Funktioniert eine Schutzhülle gegen Keyless-Diebstahl?
Ja, wenn sie alle Signale des Schlüssels blockiert. Der ADAC betont, dass Abschirmung nur dann wirkt. Prüfe sie selbst: Schlüssel hinein, Hülle an die Fahrertür halten und kontrollieren, ob sich das Auto öffnen lässt.
Kann ich Keyless Go bei meinem Auto abschalten?
Bei vielen Modellen ja. Schau ins Handbuch oder frag die Werkstatt. Laut ADAC unterbindet das diese Art Diebstahl meist, du verlierst aber den Komfort.
Reicht eine Lenkradkralle gegen Relay-Angriffe?
Nein. Sie verhindert nicht das Öffnen und Starten, sondern erschwert das Wegfahren. Sie ist eine sichtbare Zusatzhürde, ersetzt aber keinen Funkschutz.
Sind Nachrüst-Sets gegen Keyless-Diebstahl sinnvoll?
Der ADAC rät von sehr günstigen Sets ab, weil sie die Wegfahrsperre deaktivieren und den Versicherungsschutz gefährden können. Elektronische Zusatzschaltungen lassen sich laut ADAC oft umgehen.
Sind auch Motorräder von Relay-Attacken betroffen?
Ja. Der ADAC nennt vier untersuchte Motorräder, die sich allesamt mit Relay-Geräten öffnen und starten ließen.
Was ist UWB und warum schützt es?
Ultrabreitband misst die Entfernung zwischen Schlüssel und Auto sehr genau. Relay-Geräte täuschen diese Distanz nicht mehr vor, daher gilt UWB laut ADAC als wirksamer Schutz.
- Zehn Jahre Keyless-Systeme im Test: Endlich sicher?, ADAC, Stand 18.08.2026
- Produktangaben zu EXEEP Keyless-Schutzhülle und ARTAGO 870 Lenkradkralle: Herstellerangaben laut Amazon-Produktseite
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